Frage von Matthew L: Habe eine Anlageidee – aber wie setze ich die um?
Hallihallo,

ich bin momenten BWL-Student und beschäftige mich im Rahmen einer Semesterarbeit mit einem kleinen, innovativen Start-Up-Unternehmen. Nach allen Recherchen bin ich überzeugt von der Idee und der Firma und dem Kopf, der dahinter steckt.

Wie dem auch sei, ich habe jetzt zwei Ansatzpunkte. Erstens wird dieses Startup-Unternehmen im Moment in eine AG umgewandelt, ich gehe also davon aus, dass Anteile davon in naher Zukunft öffentlich gehandelt werden. Darüberhinaus, das ist aber langfristige Konsequenz, sollte sich der Erfolg, den ich bei dem Potential durchaus sehe, tatsächlich auch in großem Maßstab einstellen, würde ich parallel dazu auch in den Rohstoff investieren, auf dem diese Technologie (mit) beruht.

Mein finanzieller Rahmen ist allerdings beschränkt, ich habe also keine zehntausende Euro zur Verfügung. Klar, werde ich keine Millionen verdienen, aber klein Vieh macht auch Mist. Zumal der ideologische Faktor ja mit rein spielt 🙂

Ich habe absolut kein Plan, wie man sowas angeht – lauf ich einfach zur Sparkasse und sage meiner Beraterin, ich möchte 100 Aktien von der XXX AG? Und bitte, packen Sie mir einen Vanadium-Barren mit ins Schließfach?

lG Matthias
EDIT:

Danke für den Hinweis mit dem Geld. Ich weiß, ich würde dafür auch kein nicht vorhandenes Geld einsetzen. Es ist vielleicht auch mehr symbolisch, da ich von der Idee überzeugt bin und schauen will, ob ich richtig liege (vom Lerneffekt des ganzen einmal abgesehen – Learning by doing). Und wenn dafür in zwei Jahren 50 Euro abspringen, bin ich schon glücklich 🙂 Leben will ich von den Erträgen jedenfalls nicht.
Kleine Ergänzungsfrage: Welchen Anreiz hätten denn die jetzigen Gesellschafter einer GmbH, das Unternehmen in eine AG umzufirmieren, wenn man damit nicht am Markt „frisches Kapital“ erheben will? Können Aktien denn auch ‚privat‘, also nur an ausgewählte Inhaber verkauft werden? Oder steckt da gar eine Haftungsfrage dahinter?

Beste Antwort:

Answer by NaturalBornKieler
Wenn ich das richtig sehe, möchtest du Aktien erwerben. Dazu brauchst du in jedem Fall ein Aktiendepot bei einer Bank. Statt der Sparkasse würde ich aber gleich einen Online-Broker bzw. eine Online-Bank nehmen, das macht die Sache deutlich billiger.

Da die von dir ins Auge gefasste Firma noch keine AG ist, gibt es die Aktien noch nicht zu kaufen. Und selbst wenn sie eine AG ist, heißt das nicht, dass deren Aktien an einer Börse gehandelt werden. Man kann durchaus eine AG gründen, ohne an die Börse zu gehen. Möglicherweise behalten die Anteilseigner ihre Aktien selbst und geben keine neuen aus. Dann hast du keine Möglichkeit, die Aktien zu kaufen.

Wenn die Firma aber an die Börse geht, dann handelt es sich um eine sogenannte „Neuemission“. Diese Neuemissionen kann man zeichnen oder nach dem Börsengang an der Börse kaufen. Das ist für einen Broker ein normaler Auftrag, den du dann auch online erteilen kannst.

Was den Rohstoff betrifft: Je nachdem, um welchen Rohstoff es sich handelt, gibt es möglicherweise Zertifikate, mit denen du auf den Rohstoff setzen kannst. Bei gängigeren Rohstoffen kannst du auch Barrenware erwerben, aber die Banken machen das so gut wie gar nicht, da müsstest du dich an einen spezialisierten Händler wenden. (Und wenn es sich um einen so ausgefallenen Rohstoff wie Vanadium handelt und du einen Preisschub erwartest, dann würde ich am ehesten Aktien eines Vanadiumerzeugers kaufen, das wäre das einfachste).

Und hier noch das wichtigste: Setze für solche Spekulationen nur Geld ein, das du nicht mehr brauchst. Absolut nicht mehr.


Nachtrag: Bei dem Geld habe ich nicht nur von „nicht vorhandenem“ Geld gesprochen, sondern von nicht benötigtem. Es geht nicht nur darum, dass du kein geliehenes Geld einsetzen sollst, sondern auch, dass du das eingesetzte Geld abschreiben sollst. Wenn dir nach einem Jahr einfällt, dass du das Geld doch für etwas anderes brauchst, dann wirst du Verluste machen, um das Geld flüssig zu kriegen (oder eventuell ist dein Investment schiefgegangen und das Geld ist gar nicht mehr da). So ging’s mir auch als Student, da hat man eigentlich kein Geld übrig für sowas.

Was den Anreiz zur AG-Umwandlung betrifft: Eine AG hat einige Vorteile gegenüber einer GmbH, man kann insbesondere leichter weitere Gesellschafter aufnehmen oder die Anteile verkaufen. Man kann auch tatsächlich neue Anteile ausgeben und damit Investoren ins Boot holen, aber das muss nicht unbedingt über die Börse passieren, das kann man auch erstmal unter sich regeln. Wenn es sich um ein vielversprechendes Startup handelt, ist zum Beispiel denkbar, dass erstmal ein oder zwei Risikokapitalgeber beteiligt werden. Der Börsengang erfolgt dann erst viel später, wenn die ersten vermarktbaren Erfolge sich abzeichnen und die Serienproduktion aufgenommen werden soll. Beim Börsengang steigen die ersten Risikokapitalgeber dann typischerweise wieder aus uns kassieren schon mal ihren eigenen Gewinn. Ein Börsengang ist sehr aufwendig und lohnt sich nur, wenn man auch schon etwas vorzuzeigen hat. Natürlich kann die Strategie hier von Unternehmen zu Unternehmen ganz verschieden sein.

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