Frage von Mr.Alpha: Inflation & Deflation?
hallo an alle,

mir ist etwas unklar, ich hoffe ihr könnt mir helfen.

das eine deflation sprich die erhöhte kaufkraft schlecht für die wirtschaft ist ist mir klar.

aber wieso ist eine inflation auch schlecht ? ok die preise steigen aber dadurch auch die löhne. ?!
ich versteh das nicht

bitte um kurze aufklärung
Vielen Dank das ist mir klar.

Nur was meinst du damit ?

sparen wird auch unattraktiv, da inflation den wert der guthaben und zinszahlungen verringert/aufhebt

dachte in der inflation wird das geld besser verzinst ?

sorry aber wie du siehst verwirrt mich das thema ein wenig 🙂

danke für deine tolle antwort
warum ist es sinnvoller in der deflation zu investieren ? und in der inflation zu sparen bzw. kredite zu tilgen ?
Das ist mir unklar

Die gute Seite ist, dass Inflation zu Investition führt, weil alles was man sofort kauft billiger ist, als wenn man ein halbes Jahr wartet.

Inflation = preis anstieg wieso sollte das zu einer großen investition führen ?

Beste Antwort:

Answer by zamuro
das problem bei inflation ist zunächst, dass zwar das preisniveau insgesamt steigt, aber diese verringerte Kaufkraft nicht in allen bereichen gleichermassen und gleich schnell reflektiert wird.

üblicherweise schlägt die preissteigerung zuerst auf die warenmärkte, da waren relativ schnell und unproblematisch neu gepreist werden können. löhne hingegen werden nur selten und langsam angepasst, z. B. im rahmen eines tarifabkommens.

wenn die inflation also binnen kurzer zeit zu preissteigerung bei gütern führt, müssen lohnempänger bis zur nächsten anpassung des (nominal)lohns mit einem jetzt vergleichsweise geringerem (in kaufkraft gemessenem) real-lohn auskommen. evtl. müssen sie sparguthaben für konsumausgaben auflösen (sparen wird auch unattraktiv, da inflation den wert der guthaben und zinszahlungen verringert/aufhebt).
selbst wenn die nominal-löhne angepasst werden sollten, bringt dies meist nur geringe erleichterung, da die inflation auf dem gütersektor weitergeht und das spiel somit wieder von vorn losgeht.

viel gravierender ist aber, dass eine lohnerhöhung zur anpassung an das preisniveau auch den faktor arbeit wiederum verteuert. unternehmen müssen jetzt für die herstellung von gütern oder dienstleistungen einen höheren lohn bezahlen, den sie auch erstmal erwirtschaften müssen. die schnellste möglichkeit ist hier die weitere preiserhöhung. dadurch steigt der inflationsdruck weiter und kann – wenn nicht gegengesteuert wird – zu einer sich immer schneller hochschraubenden spirale werden.

NACHTRAG ersparnisse und deflation vs. inflation:

die meisten sparguthaben, wie sparbücher, festgeld, staatsanleihen oder schlicht ein einfaches giroguthaben werden üblicherweise mit einem festgelegten zinssatz verzinst.
stell dir vor, du hast ein guthaben von 1000 euro, das zu 2% jährlich verzinst wird, bei einer inflation von 1% jährlich. dein sparguthaben wächst um 2% im jahr, verliert aber auch wieder 1% an wert im jahr. du bekommst also *real* weniger zinsen als *nominal* vereinbart. stell dir vor, die inflation steigt auf 3% pro jahr an. da du nun im jahr weniger zinsen erhälst als zum ausgleich des wertverfalls nötig ist, wirst du dein guthaben abheben (du willst ja nicht zusehen, wie es immer wertloser wird) und so anlegen, dass es mindestens vor der inlaftion geschützt ist, also in höher verzinste anlagen (die meist auch ein höheres risiko aufweisen können) oder in alternative anlageformen wie immobilien, gold etc. natürlich sind in modernen kapitalmärkten auch inflationsangepasste zinsvereinbarungen üblich, aber otto-normalverbraucher ist meist mit fixen zinsen dabei.

wenn man keine zinsen erhält, sondern bezahlen muss, weil man z. B. einen kredit bedient, dann kann inflation sehr günstig sein. stell dir vor, du hast einen kredit über 1000 aufgenommen und musst in 5 jahren 1100 euro zurückzahlen laut kreditvertrag. wenn die inflation jährlich 3% beträgt, beläuft sich der wert dieser *nominalen* 1100 euro auf 1100/1,03^5 = 948 gemessen in heutigen euros.
da die nominalschuld nicht mit der inflation wächst, ist der wert von 1100 euro nicht mehr so groß wie zum zeitpunkt der kreditaufnahme, dein kredit wird also „billiger“. mit 1000 euro im ersten jahr konntest du eben mehr güter kaufen also mit 1100 nach 5 jahren.

wenn du nun in einer deflation eine anlage hast, die mit 2% verzinst wird, während das preisniveau um 3% sinkt, lohnt es sich, geld in sparguthaben oder echte investitionen zu stecken. mit den 1000 euro guthaben heute kannst du eine bestimmte menge güter kaufen. da aber jedes jahr die güter billiger werden, kannst du nach einigen jahren deflation mit deinen ursprünglichen 1000 euro eine grössere menge güter kaufen (1 euro heute kauft 6 eier, 1 euro nächstes jahr 12 eier). daher steigt in deflationären phasen die spar- und investitionsneigung, während der konsum sinkt (was u.a. (!) dazu führen kann, dass die güternachfrage zurückgeht und unternehmen personal reduzieren müssen, um sich an die verringerte nachfrage anzupassen).

in inflationären phasen nimmt die spar- und investitionsneigung ab und der konsum nimmt zu (mit 1 euro kannst du heute 6 eier kaufen, morgen vielleicht nur noch 3, also kaufst du lieber güter heute). die zusätzliche nachfrage kann kurzfrisitg zurausweitung der produktion führen (wenn das ohne investitionen möglich ist), ggf. auch durch einstellung von personal.

NACHTRAG 2; inflation und „investition“

inflation wirkt konsumfördernd. du darfst „geldausgeben“ nicht mit investition gleichsetzen. wenn du heute sachen mit deinen euros kaufst, weil du morgen für die selbe menge euros weniger dinge bekommst, dann ist das in der regel konsum und nicht investition.

konsumasugaben umfassen alle ausgaben, die getätigt werden, um aktuelle bedürfnisse zu decken (lebenshaltung, unterhaltung, nahverkehr, benzin, bei privatpersonen z. B. fast immer auch autokauf). die meisten unserer täglichen ausgaben sind konsumausgaben. das geld tauschen wir gegen waren oder dienstleistungen und damit ist die transaktion vorüber.
sparen ist das aufschieben heutiger konsumausgaben zugunsten von konsum in der zukunft (z. B. heute weniger ins kino gehen, dafür sparen und in 5 jahren ein motorrad vom ersparten kaufen. konsum morgen gegen konsum heute). da du bei inflation erwarten musst, dass das sparguthaben immer weiter an wert verliert, wirst du lieber heute konsumieren, wo du noch mehr güter und leistungen für deinen euro bekommst als in einem jahr.

investitionen hingegen sind ausgaben, die heute getätigt werden, um zu einem späteren zeitpunkt regelmässige rückflüsse (zinsen, erträge aus unternehmen) zu erzeugen und schliesslich insgesamt mehr geld zurückzuerhalten als anfänglich ausgelegt.

wenn du dir einen neuen wagen kaufst, dann konsumierst du. wenn du einen fahrservice unterhälst und eine neue limousine kaufst, dann tätigst du eine investition, da dieser wagen unmittelbar dazu dient, damit durch deine unternehmerische tätigkeit geld zu verdienen.

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