Frage von Alyssa M: Nochmal eine Frage zur Börse:?
Das ist vermutlich eine ziemlich blöde, weil fundamentale, Frage, aber wer bestimmt, wie viele Aktien ein Unternehmen „wert“ ist?
Ich meine damit nicht, dass ich wissen will, wer bestimmt, wie viel eine Aktie wert ist. Das ist mir vollkommen klar. Was mich interessiert ist einfach: Wer (und nach welchen Kriterien) entscheidet, wie viele Aktien ein Unternehmen verkaufen kann, aus wie vielen Aktien es praktisch „besteht“.

P.S.: Nur, dass sich keiner aufregt: Ich hab diese Frage schon mal gestellt. Aber das war zu einem Zeitpunkt, als kaum jemand hier war. Und als es dann Abend – und damit sozusagen Rush Hour in Yahoo Clever – wurde, war sie längst nicht mehr zu sehen.

Beste Antwort:

Answer by hollunder
Zunächst einmal muss eine Aktiengesellschaft gemäß § 7 AktG ein Grundkapital von mindestens 50.000 € haben (natürlich kann in der Satzung auch ein höherer Betrag festgelegt sein). Aber diese 50.000 € müssen mindestens von den Aktionären aufgebracht werden. Nun muss überlegt werden, in wie viele Aktien dieses Kapital aufgesplittet wird. Man könnte zum Beispiel eine Aktie über 50.000 € oder 50.000 Aktien zu 1 Euro (unter 1 Euro geht nicht) wählen. Dies ist dann der sogenannte „Nennwert“ einer Aktie (wird in der Satzung festgelegt). Wieviel tatsächlich gezahlt werden soll, hängt wiederum von dem satzungsmäßigen Beschluss ab. Beispielsweise könnte beschlossen werden, dass eine Aktie mit einem Nennwert von 5 Euro für 10 Euro erworben werden muss. Der Aktionär, der jetzt 10 Euro einzahlt, hat jetzt nicht zwei Aktien des Unternehmens erworben, sondern lediglich eine zu einem Nennwert von 5 €. Somit fließen von diesen eingezahlten 10 Euro 5 Euro in das Grundkapital sowie 5 Euro in eine sogenannte Kapitalrücklage (neben dem Grundkapital ein weiterer Bestandteil des Eigenkapitals einer AG).

Bei einer etwaigen Kapitalerhöhung (z.B. von 50 TEUR auf 100 TEUR) muss die Satzung wiederum geändert werden. Dies geht nur durch Gesellschafterbeschluss, d.h. die anteilsmäßige Mehrheit der Aktionäre muss diesem Beschluss zustimmen.

Bei Aktiengesellschaften gibt es nun einerseits solche, wo die Gesellschafter unter sich bleiben (Zugang für Neuaktionäre nur möglich, wenn sich ein Gesellschafter von seinen Aktien trennt) und solche, die an der Börse notiert sind, also sogenannte Publikumsaktien (solche Aktien können von jedem relativ leicht erworben werden).

Wenn die Altaktionäre einer AG beschließen, ihre Aktien an die Börse zu bringen, emittieren sie die Aktien in der Regel über eine Bank. Der Emissionspreis pro Aktie wird von der Bank bzw. den Altaktionären anhand bestimmter Berechnungen (Unternehmenswert z.B.) festgelegt. Die Neuaktionäre müssen nun den höheren Emissionspreis zahlen, bekommen dafür allerdings nur Aktien in Höhe des Nennwertes (z.B. zahlen sie 60 Euro für eine 5 Euro Nennwert-Aktie). Die 55 Euro stellen Gewinn für die Altaktionäre da. Ab dem Zeitpunkt der Emission, also ab dem Zeitpunkt, ab dem die Aktie auf einem öffentlichen Markt gehandelt wird, bildet sich ein Marktpreis, der aus dem Verhältnis von Angebot zu Nachfrage zustande kommt. Bei limitierten Emissionen (wo die Nachfrage nach einem Emissionspapier das Angebot bei weitem übersteigt), schnellt der Kurs durch den Nachfrageüberhang normalerweise am ersten Tag in die Höhe. Diejenigen, die das Glück hatten, die Aktie zum Emissionspreis zu ergattern, können in so einem Fall „Kasse machen“.

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