Frage von L. Z: Zertifikaten-Handel?
ich möchte ein Open End Zertifikat kaufen, das einen Aktienindex abbildet. Zur Wahl stehen Emittenten: Deutsche Bank, UBS und ABN AMRO. Welche Kriterien spielen bei der Auswahl des Emittenten und des Handelsplatzes?

Beste Antwort:

Answer by ramsjoen
Als Börsenplatz bevorzuge ich persönlich Stuttgart, vor allem, wenn es um Derivate oder Zertifikate geht. Stuttgart bietet ein „best price“ Prinzip, d.h. die Börse dort vergleicht mit anderen Börsen und nimmt dann den für den Anleger günstigsten Preis. Zertifikate kann man aber auch gut außerbörslich handeln.

Die drei Emittenten sind an sich ungefähr gleichwertig, keiner ist akut von der Pleite bedroht und alle drei sind sehr eifrige Zertifikate-Emittenten. Bei Dir kommt es wohl vor allem auf die Ausstattungsmerkmale des Zertifikats an.

Grundsätzlich sollte der Emittent in seinen Emissionsbedingungen eine möglichst enge Abbildung des unterliegenden Index gewährleisten, z.B. maximale Abweichung von 0,1%.

Weiterhin sollte der Spread (Abstand zwischen An- und Verkaufspreis) möglichst klein sein. Dabei sollte man im Prospekt auf Floskeln wie „bei normalem Handel“ o.ä. achten. Dahinter versteckt sich gerne die Ausweitung des Spreads, sollte der Handel nicht mehr „normal“ sein, und gerade dann will man ja meist verkaufen.

Ebenso solltest Du den Prospekt dahingehend durchsehen, wieviel Liquidität der Emittent bietet. Er sollte laufend Kurse stellen, bei einem Dax-Zertifikat mehrmals pro Minute. Und auch hier gilt, dass Floskeln wie „normaler Handel“ etc. nicht vorkommen sollten, sondern tatsächlich immer ein gutes Market Making gewährleistet ist.

Ein Blick auf die Gebühren lohnt. Die sind allerdings irrelevant, wenn ein gängiger Index wie der Dax abgebildet wird. Man kauft ja den verbrieften Dax und es ist das Problem des Emittenten, wie er dann sein Geld verdient.

Noch ein Wort zum Index selbst: Wird ein Kursindex oder ein Performance-Index abgebildet? Beim Kursindex gehen Dir mit einem Zertifikat immer die Dividenden verloren. Viele Anleger übersehen zum Beispiel, dass der DivDax zwar ein Performance-Index ist, viele Zertifikate aber den DivDax Ex abbilden, also den DivDax ohne Dividenden, d.h. den reinen Kursindex. Damit ist der Witz raus, denn man verliert pro Jahr zwei oder drei Prozent. Andere Indizes sind von vorne herein reine Kurzsindizes, z.B. der Eurostoxx 50 oder der Nikkei. Hier sollte man dann entweder nach einem Indexzertifikat auf den zugehörigen Performance-Index Ausschau halten oder gleich einen ETF kaufen. Letzterer bietet einige Vorteile: Man hat einen echten Fonds, d.h. ein geschütztes Sondervermögen, außerdem konserviert man noch das derzeit geltende Besteuerungsrecht, und beim ETF kassiert man auch immer die Dividenden.

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