Frage von rowes_hh: Vermietung eines Hauses aus den 70ern. Was ist vorgeschrieben i. S. Wärmedämmung etc. incl. Energiepass?
Sind die zwischenzeitlich zu verzeichnenden Fortschritte von Dreifachverglasung, Wärmedämmung, Brennwertheizungen usw usw usw alle nur aus der Abteilung „Schön zu wissen“ oder gibt es einen Standard, ohne dessen Erreichung Neuvermietungen heute nicht mehr erfolgen dürfen? Der Energiepass ist ja wohl schon vorgeschrieben: was muss da drin stehen und was ist, wenn man trotzdem vermietet, ohne einen Energiepass zu haben / vorzulegen?

Beste Antwort:

Answer by zungenkoeder
Ab dem 1. Januar 2009 müssen Eigentümer und Vermieter bei einem Verkauf oder einer beabsichtigten Vermietung ihrer Immobilie den Interessenten einen Energieausweis vorlegen.
Solange kein Verkauf oder Mieterwechsel stattfindet, wird kein Energieausweis benötigt.

Wir unterscheiden zwei Arten von Energieausweisen – den Verbrauchs- und den Bedarfsausweis.

Während bei einem Bedarfsausweis der Energiebedarf des Gebäudes berechnet wird, stellt der Verbrauchsausweis auf den Energieverbrauch der Nutzer im Haus ab. Grundsätzlich kann sich der Vermieter frei für die eine oder andere Art des Energieausweises entscheiden. Bedarfsausweise sind zwingend nur für ältere Häuser – Bauantrag bis 1. November 1977 – mit weniger als fünf Wohnungen vorgeschrieben.
Ausnahme: Bis zum 1. Oktober 2008 konnte der Eigentümer auch hier frei wählen, welchen Typ Energieausweis er erstellen lässt. Der einmal ausgestellte Energieausweis bleibt zehn Jahre gültig.

Welchen Sinn/Vorteil hat der Energieausweis ?

Der Energieausweis gibt Informationen zur Energieeffizienz des Gebäudes.
Dabei ist der Bedarfsausweis dem Verbrauchsausweis vorzuziehen, weil er die objektive Berechnung des Energiebedarfs durch Fachleute gewährleistet. Dagegen beruht das Ergebnis des Verbrauchsausweises auf den letzten drei Heizkostenabrechnungen der Vormieter. Je nachdem, wie der Vormieter geheizt hat, ist das Ergebnis nicht wirklich aussagekräftig.

Wer darf diese Ausweise ausstellen ?

Fachleute wie Architekten, Ingenieure, Techniker sowie Bauhandwerker oder Handwerker aus dem Bereich Heizungsbau und Installation und Schornsteinfeger sind berechtigt.

Was kostet ein Ausweis ?

Der Verbrauchsausweis kann zwischen 15 und 100 Euro kosten. Der Bedarfsausweis kostet je nach Aufwand und Größe des Objektes etwa 50 bis 800 Euro.
Die Gerichte werden sich in Zukunft damit beschäftigen, inwieweit der Ausweis aus dem Internet wirksam ist. Z.Zt. (Stand 3/2009) ist er wirksam.

Wer bezahlt den Ausweis ?

Die Kosten der Erstellung des Energieausweises trägt der Eigentümer. Er kann die Kosten nicht als Betriebskosten auf den Mieter umlegen. Solange kein Verkauf oder Mieterwechsel stattfindet, wird kein Energieausweis benötigt.

Können Mietinteressenten eine Kopie des Energieausweises verlangen ?

Der Vermieter ist nicht verpflichtet eine Kopie auszustellen. Einsicht in den Energieausweis reicht völlig aus. Der Energieausweis wird immer nur für das gesamte Haus ausgestellt und nicht für einzelne Wohnungen.

Der Energiebedarf wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben. Wie rechnet man damit ?

Zehn kWh sind ein Liter Heizöl oder ein Kubikmeter Gas.

Wann ist das Haus eine „Energieschleuder“ ?

Die Energieeffizienz wird mit einer Farbskala verdeutlicht. Je grüner, desto besser. Im grünen Bereich ist der Energiebedarf des Gebäudes am niedrigsten. Auf dem Energieausweis sind außerdem Vergleichswerte angegeben, an denen man sich zusätzlich orientieren kann.

Der Energieausweis enthält auch Modernisierungsempfehlungen – muss der Vermieter diese durchführen ?

Es besteht keine Modernisierungspflicht für den Vermieter. Der Energieausweis will lediglich den Vermieter motivieren, eine bessere Energieeffizienz zu erzielen.

Was passiert, wenn der Vermieter keinen Energieausweis vorlegt oder die Angaben falsch sind ?

Nicht viel, das sind Ordnungswidrigkeiten. Der Vermieter muss mit einem Bußgeld rechnen.

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