Frage von Willi: Welche ist die beste langfristige Anlageform, wenn man sein Geld in Ruhe arbeiten lassen will?
Dachfonds scheinen geeignet. Aber sind sie nicht so teuer in Anschaffung und Gebühren, dass mögliche Gewinne durch die Kosten aufgezehrt werden bzw. das Geld eher weniger als mehr wird? Oder sehe ich das falsch?
Wie steht es mit ETF-Fonds?
Welche anderen, für die Langfristanlage geeigneten Investments könnt Ihr empfehlen?
Im Voraus vielen Dank für Eure Antworten?

Beste Antwort:

Answer by wursthansel
Hallo,
wenn du wirklich langfristig und sicher anlegen möchtest, dann empfiehlt sich momentan Festgeld.
Da kommst du zwar nicht (oder nur gegen Aufpreis) vor Ende der Laufzeit dran, aber du bekommst momentan gut 5% Zinsen bei deutschen Banken mit deutscher Einlagensicherheit und ohne Währungsrisiko.
Heute kannst du dir die guten Zinsen noch sichern – wer weiss, wie lange es so gute Angebote gibt.
Laufzeiten gibt es zwischen 1 Monat und normalerweise max. ca. 12 Jahren, aber da hast du es eben sicher.
Bei einem einigermaßen „sicheren“ Aktienfonds wirst du auch nicht allzuviel mehr erwirtschaften (vielleicht 2-3 Prozent mehr) – auf lange Sicht gesehen.
Wenn es dir um die Absicherung elementarer Risiken geht, kaufe am Besten Gold – physikalisch, nicht als Zertfikat o.ä..
So bist du bei einem evtl. Systemcrash abgesichert.
Du bekommst zwar keine „Zinsen“, hast aber einen stabilen Wert, der nicht gänzlich kaputtgehen kann.
Ob dir das beim aktuellen Goldpreis zu riskant ist, muss du selbst entscheiden – du kannst auch „Scheibchenweise“ einsteigen und/oder erstmal Gold-Optionen oder Zertifikate kaufen, und erst wenn du Optionen für einige Unzen hast, physikalische Barren kaufen, da dann die Aufgelder (Formkosten etc.) auf die Gesamtmenge gesehen nicht mehr so hoch sind.
Ansonsten wird wohl, wenn nicht morgen ein riesiges neues Ölvorkommen gefunden wird, der Ölpreis weiter steigen.
Immer mehr Chinesen leisten sich Autos, die Wirtschaft wächst in den ganzen Schwellenländern, gerade auch in Indien geht es ab.
Parallel dazu wird Öl immer knapper und die Fördermenge bleibt konstant oder sinkt eher noch.
Goldman & Sachs rechnet mit bis zu 200 USD/Barrel – wie sich das dann allerdings auf den Euro-Preis auswirkt (Stichwort Devisenkurs) ist eine ganz andere Sache, wobei ich auch gestern in der Zeitung gelesen habe, dass manche Analystem mit einem Fall auf rd. 65 USD rechen – binnen 3 Jahren, wobei auch hier die Frage nach dem Währungskurs offen bleibt.
Was auch immer du machst: Überstürze nichts und mach nichts unüberlegtes! Eine langfristige Geldanlage ist nichts, wo man bei Yahoo Clever eine schnelle Lösung findet!
Eine Anlage über mehrere Jahre will wohlüberlegt sein.
Und wenn es Aktien, Aktienfonds oder was in der Richtung sein soll, solltest du es binnen dieses Jahres noch abschließen (Abgeltungsteuer).

Zu den Dachfonds:
Das Problem ist, dass du in einen Fonds investierst, der in Fonds investiert.
Somit fallen erstmal Gebühren für die einzelnen Fonds an und schlussendlich nochmal welche für den Dachfondsverwalter.
Außerdem wirst du keine starke Rendite erwarten dürfen, da ja ein einzelner Fonds normalerweise schon sehr viele Aktien/Rohstoffe/whatever abbildet.
Wenn du also in einen Dachfonds investierst, der in 25 Fonds investiert, die jeweils wieder in 50 Aktien investieren, bist du ganz schnell mal bei 1250 Einzelaktien.
Wenn da eine ein extrem starkes Wachstum verzeichnet, merkst du davon kaum was.
Selbst wenn da eine Aktie um 100% steigt, macht das kaum was aus.
Bei sehr großen Dachfonds, die z.B. in Indexfonds investieren, bildest du quasi die gesamte Weltwirtschaft ab.
Und die kann normalerweise nicht plötzlich um 20% p.a. wachsen, da würde unser gesamtes System kollabieren.
Kurz: Du streust zwar die Risiken enorm, aber büßt dadurch auch enorm Gewinnchancen ein.
Meiner Meinung nach machen Dachfonds nur Sinn, wenn man keine passenden Einzelfonds findet, die in die gewünschten Werte investieren und/oder wenn es keine alternativen „sicheren“ Anlageformen gibt – und dann nur als „kleine Dachfonds“, die in max. 4-5 Einzelfonds investieren.
In Einzelaktien würde ich lang- wie kurzfristig nur spekulativ investieren, also kein „wichtiges“ Geld reinstecken.
Ansonsten machst du deine Zukunft von einer einzelnen Firma abhängig.
Grundsätzlich gilt: Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Es kommt letztendlich natürlich immer auf deinen Finanzstatus an.
Hast du 20 Millionen € auf der Seite und verdienst netto nochmal 2 Mio. im Jahr, ist natürlich ein ganz anderes Splitting möglich als wenn du nur z.B. 25 € im Monat zur Seite legen möchtest.
Im ersten Fall schafft man erstmal physische Sicherheiten (Gold, Silber, div. Devisen) und verteilt diese auf Schließfächer in verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten und unterteilt den Rest in Risikogruppen (X% Festgeld, Y% einigermaßen sichere Fonds, Z% Spekulative Werte, R% hochspekulativ), legt Verfügbarkeits- und Zielregeln fest (z.B. keine Investition in Lebensmittel (Reis, Weizen etc.), mind. V € ständig verfügbar per Tagesgeld) usw.

Ohne deinen Spielraum und deine Anlageziele kann ich dir keine Empfehlung geben – es kommt ja auch darauf an, ob du z.B. sagst „Ich möchte eine Grundsicherung für die Altersvorsorge“ oder „Ich möchte das hochspekulativ investieren, dass ich mit entweder im Alter eine Yacht kaufen kann oder ich habe eben Pech gehabt“.
Wenn es sich um „Kleinbeträge“ handelt (bis ca. 400-500 €/Monat), schau, dass du irgendwelche sicheren Sparanlagen bei Banken ohne Währungsrisiko bekommst (Festgeld, einen Teil aufs Tagesgeld für Verfügbarkeit).
Wenn es sich um mehr oder gar deutlich mehr handelt, lohnt es sich meist, für einen langfristigen Plan einen (bankenunabhängigen!) Anlage- bzw. Vermögensberater aufzusuchen.
Die kosten für eine Kurzberatung auch nicht die Welt (vielleicht 100-200 €/Stunde), wenn du dadurch aber für eine 20-Jährige Anlagestrategie weniger Risiken eingehst und mehr Gewinn bekommst, lohnt es sich allemal.

Noch ein letzter Tipp zu Fonds: Nicht verrückt machen lassen! Wenn du Fonds hast, in die du langfristig investieren möchtest, schau nur alle paar Monate mal ins Depot – sonst machst du dich auf Dauer verrückt, wenn du jede Kursschwankung live mitverfolgst.

Und noch ein rechtlicher Hinweis: Ich bin kein Anlageberater oder ähnliches und habe somit überhaupt keine Ahnung.
Alles hier dargestellte ist meine persönliche Meinung und stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf oder sonstigen Aktionen irgendwelcher Werte dar!

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